Gruppe Frauen schaut auf ein Mobiles Handy am Strand
Zürich, 15.08.2016

Der clevere Reisende schaltet Datenroaming im Ausland nur ein, wenn er eine Option hat. Ansonsten surft er ausschliesslich über WLAN. Dennoch haben einige Mobilfunk-Anbieter ihren Kunden den Datenverkehr im Ausland berechnet, obwohl sie das Datenroaming deaktiviert hatten. Über solche Fälle berichteten die Schweizer Medien in den vergangenen Tagen. Ein Kunde sollte der Swisscom 11 Franken bezahlen, obwohl er das mobile Internet im Ausland nicht benutzt hat. 

Betroffen sind bisher nur Smartphones, die den Mobilfunkstandard 4G/LTE unterstützen und in diesem Netz eingebucht sind. Es werden jeweils nur ganz wenige Kilobyte pro Tag übertragen. Das Phänomen ist in der Branche seit längerem unter dem Namen «Geister-Roaming» bekannt.

Nicht alle verrechnen das «Geister-Roaming»
Als Zwischenlösung hat Swisscom für Kunden mit einem Handy-Abo einen Schutzmechanismus eingebaut. Der Netzbetreiber schreibt allen Kunden täglich eine kleine Datenmenge auf Vorrat gut. Damit soll ein allenfalls fälschlicherweise übertragenes Datenvolumen nicht verrechnet werden, sagt Swisscom. Für Prepaid-Kunden von Swisscom gibt es diesen Schutzmechanismus nicht. Auch bei Salt sind einige Fälle bekannt. Sunrise dagegen sagt, dass sie ihr Netzwerk so eingestellt hat, dass «Geister-Roaming» gar nicht stattfinden kann.

Vorsichtsmassnahmen
Wer im Ausland keine Daten übertragen will, sollte vor der Reise folgende Vorsichtsmassnahmen treffen:

  • «Datenroaming» am Smartphone abschalten.
  • «Mobile Daten» am Smartphone abschalten.
  • «LTE» bzw. «4G» am Smartphone abschalten.
  • Wenn möglich beim Netzbetreiber das Surfen im Ausland sperren. Swisscom-Kunden können im Cockpit die Funktion «Ausland - Basistarif aktivieren» abschalten. Solange der Kunde nicht aktiv ein Datenpaket kauft, werden keine Daten verrechnet.

Übrigens: Auch mit diesen Einstellungen ist das Surfen über das Gratis-WLAN im Hotel, auf öffentlichen Plätzen oder im Café möglich.

In den Medienberichten und vor allem auch in den Kommentaren unter den Artikeln sieht man, dass die Kundendienste der Mobilfunk-Anbieter den Kunden die Schuld am «Geister-Roaming» gaben und das Geld nicht zurückerstatten wollten. Erst nachdem die Medien eingeschaltet worden sind, wurde den Kunden das Geld ausbezahlt.

Tipps für Kunden, denen das «Geister-Roaming» verrechnet worden ist:

  • Telefonisch beim Kundendienst reklamieren.
  • Falls der Anbieter das «Geister-Roaming» trotzdem verrechnen will, per E-Mail reklamieren und klar die Rückerstattung der zu viel verlangten Gebühren verlangen.
  • Will der Anbieter das Geld nicht zurückzahlen, können sich die Kunden an die Schlichtungsstelle Ombudscom wenden. Ein Verfahren vor der Ombudscom ist für den Kunden kostenlos.
Ralf Beyeler, Telekom-Experte Konsumenten-Portal Verivox