Mann liegt auf Sofa und benutzt sein Tablet
Zürich, 10.10.2016

Viele Kunden von Swisscom erhalten dieses Schreiben: «Ihr Abonnement DSL (…) wird ohne Ihren Gegenbericht abgelöst». Und am Schluss des Briefs steht: «Ohne Ihren Gegenbericht oder Ihre Vertragsbeendigung bis zum (Datum) werden wir Sie auf Vivo S umstellen». Swisscom gibt eine Frist von einem Monat. In der Praxis dürften es jedoch nur 2 bis 3 Wochen dauern, bis dieser Termin erreicht ist.

Kunden unter Druck gesetzt
Das Problem: Der Kunde wird auf die neue All-IP-Technologie umgestellt. Im besten Fall muss er nur ein Kabel umstecken. Im schlechtesten Fall muss der Kunde den Elektriker bestellen und die Verkabelung im Haus ändern lassen. Insbesondere deshalb ist die Frist von Swisscom zu kurz.

Swisscom betont zwar: Wer mehr Zeit benötigt, erhält diese. Verivox ist aber ein Fall bekannt, in dem Swisscom sich geweigert hat, den Termin nach hinten zu verschieben.

Kunden, die bisher das Internet-Abo «DSL Standard» und einen Festnetz-Anschluss hatten, bezahlten dafür 74.35 Franken im Monat (Internet-Zugang: CHF 49 Franken + Festnetz-Anschluss CHF 25.35). Es gibt noch sehr viele Kunden, die diese beiden Produkte nutzen. Während vielen Jahren war dieses Produkt der meistverkaufteste Internet-Anschluss der Schweiz.

20 Franken teurer pro Monat
Kunden wird neu ein «Vivo S»-Abo für 94 Franken im Monat vorgeschlagen. Das sind fast 20 Franken mehr als bisher. Swisscom betont, dass dieses Angebot nur Kunden erhalten, die das Internet sehr intensiv nutzen. Tatsache ist aber, dass sich diese Kunden nicht gemeldet haben und ein schnelleres Internet bestellt haben. Dies deutet darauf hin, dass sie mit dem Angebot zufrieden ist. Es wäre kundenfreundlicher gewesen, die Kunden auf das «Vivo XS»-Abo umzustellen. Vivo XS ist gleich teuer, das Internet gleich schnell und es ist zusätzlich eine Telefon-Flatrate enthalten. Swisscom hätte den Kunden immer noch von einem schnelleren Angebot überzeugen können, anstatt ihn mit einer Umstellung zu überrumpeln.

Gemäss Swisscom hätten die meisten angeschriebenen Kunden einen Brief erhalten, in dem die Umstellung auf das «Vivo XS»-Paket angekündigt worden sei. Die Kunden bezahlen damit zwar nicht mehr als bisher, haben aber trotzdem einen mehr oder weniger grossen Aufwand mit der Umstellung.

Optimaler Zeitpunkt zum Optimieren
Die Umstellung ist der optimale Zeitpunkt, um zu hinterfragen, welche Dienstleistungen man überhaupt noch benötigt. Insbesondere der Festnetz-Anschluss dürfte meistens überflüssig sein. Die Telefongespräche kann man auch über das Smartphone führen.

Es ist leider so, dass es bei Swisscom nur noch Kombi-Produkte gibt. Neu erhalten die Kunden auch eine TV-Box. Lediglich Kunden, die einen Glasfaseranschluss nutzen, erhalten auf Wunsch einen reinen Internet-Anschluss.

Tipp: Wenn man noch Zeit braucht und Swisscom diese Zeit nicht geben will, dann kann man auch auf das Grundversorgungsangebot wechseln. Swisscom ist rechtlich dazu verpflichtet, ein solches Angebot bis Ende 2017 anzubieten. Allerdings ist der Internet-Anschluss dann auch bedeutend langsamer als bisher.

Ralf Beyeler, Telekom-Experte Konsumenten-Portal Verivox

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