Frau am Handy an einer Straße bei Nacht
Zürich, 27.12.2016

Wer ein neues Smartphone kauft, kennt die Situation: Der Verkäufer fragt nach, ob der Kunde gleich noch eine Handyversicherung abschliessen möchte.

Doch aufgepasst: Bei vielen Schäden zahlt die Handyversicherung nicht. Das Konsumenten-Portal Verivox sagt, ob sich eine Handyversicherung rechnet.

In der Schweiz verkaufen die Mobilfunk-Anbieter Swisscom, Sunrise und Salt Handyversicherungen in ihren Shops. Üblicherweise wird diese direkt beim Smartphone-Kauf abgeschlossen. Auch viele Händler wie Mobilezone oder Digitec bieten Handyversicherungen an.

Viele Handyversicherung können nur abgeschlossen werden, wenn der Konsument gleichzeitig am gleichen Ort ein Smartphone kauft. Nachträglich ist das nur selten möglich.

Wie viel kostet die Handyversicherung?
Bei Swisscom und Sunrise ist die Prämie vom Verkaufspreis des neuen Geräts abhängig. Bei Swisscom ist dies aber nicht der effektiv bezahlte Preis, wenn das Smartphone mit einem gleichzeitigen Abo-Abschluss bzw. mit einer Vertragsverlängerung gekauft wird. Swisscom berechnet den Preis, den das Handy ohne Abo gekostet hätte. Der Kunde bezahlt die Versicherung direkt beim Kauf für die ganze Laufzeit von zwei Jahren. Je nach Wert des Smartphones beträgt die Prämie dafür zwischen 69 und 159 Franken.

Bei Sunrise kostet die klassische Handyversicherung «Smart Protect» zwischen 6 und 13 Franken im Monat. Daneben gibt es die «Call Protect»-Versicherung: Diese kostet einen Franken im Monat und deckt Kosten durch missbräuchliche Nutzung nach einem Diebstahl ab. Die Prämie wird jeden Monat über die Handyrechnung bezahlt.

Salt hat zwei verschiedene Handyversicherungen: «Salt Relax» kostet 10 Franken pro Monat, «Salt Relax plus» 15 Franken im Monat.

Was deckt die Versicherung ab?
Die Deckung ist eher schwammig in Versicherungsdeutsch formuliert: «Plötzliche, unvorhergesehene Beschädigung von aussen» heisst es zum Beispiel in den Allgemeinen Vertragsbedingungen der Handyversicherung von Swisscom.

Viele Handyversicherungen decken auch die missbräuchliche Nutzung, nachdem das Smartphone gestohlen worden ist.

Was deckt die Versicherung NICHT ab?
Viele Konsumenten haben eine Vorstellung davon, was alles über die Handyversicherung gedeckt ist. Doch in Wirklichkeit gibt es viele Ausschlüsse. Im Klartext: Die Versicherung bezahlt in vielen Fällen nicht: So werden nicht die Kosten eines neuen Smartphones erstattet, wenn das Handy geklaut wird oder verloren geht.

Ein Anbieter ersetzt das Smartphone nicht bei «einem Schaden infolge allmählicher Einwirkung von Temperatur und Witterungseinflüssen, Abnützung und Verschleiss, Zerkratzen, Absplittern». Einige Versicherungen machen einen Unterschied zwischen «Wasserschaden» und «Feuchtigkeitsschaden».

Bei einem anderen Anbieter wird ein defekter Akku nicht ersetzt oder die Versicherung bezahlt nichts, wenn die Bedienungsanleitung des Herstellers nicht beachtet worden ist. Ein durchschnittlicher Kunde dürfte kaum verstehen, wann die Versicherung zahlt und wann nicht.

Wie lange laufen die Handyversicherungsverträge?
Bei Swisscom zahlt der Kunde die Prämie für die gesamte Vertragslaufzeit von 24 Monaten direkt beim Kauf. Bei Salt läuft die Handyversicherung solange wie die Mindestvertragsdauer des gleichzeitig abgeschlossenen Handy-Abos. Sunrise ist wesentlich flexibler: Die Versicherung läuft mindestens drei Monate. Wird die Handyversicherung oder das Handy-Abo nicht gekündigt, läuft die Versicherung weiter.

Verlangen die Versicherungen einen Selbstbehalt?
Im Schadensfall muss der Konsument einen Selbstbehalt übernehmen. Typischerweise beträgt dieser 30 bis 60 Franken. Sunrise erhöht den Selbstbehalt, wenn der Kunde bereits früher einen Schaden angegeben hat.

Muss ich Vorsichtsmassnahmen einhalten?
Die Versicherungen verlangen von den Konsumenten, dass sie das versicherte Gerät bestmöglichst schützen. Dazu gehört, dass das Smartphone über einen PIN-Code geschützt wird.

Wer steht hinter den Versicherungen?
Hinter den Handyversicherungen der Schweizer Mobilfunk-Anbieter stehen Versicherungsgesellschaften. Bei der Handyversicherung von Swisscom ist es AXA. Sunrise arbeitet mit CHUBB zusammen und Salt mit AIG. Im Schadensfall müssen sich die Swisscom-Kunden an Swisscom wenden. Bei Sunrise und Salt hingegen müssen sich die betroffenen Konsumenten direkt an die Versicherungsgesellschaft wenden.

Was passiert bei einem Diebstahl?
Wichtig: Rufen Sie sofort bei Ihrem Mobilfunk-Anbieter an: Verlangen Sie, dass die SIM-Karte sofort gesperrt wird. Die Versicherungsgesellschaft sollte ebenfalls umgehend informiert werden.

In der Regel wird der Diebstahl nicht durch die Handyversicherung gedeckt, ausser bei «Relax Plus» von Salt. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, die jedoch nicht klar und deutlich formuliert sind. Ist die Person während dem Diebstahl des Smartphones nicht anwesend, dann bezahlt die Versicherung nicht.

Oftmals haben die Konsumenten aber in ihrer Hausratversicherung den Zusatz «Diebstahl auswärts» integriert. Im Falle eines Diebstahls übernimmt diese den Schaden.

Lohnt sich eine Handyversicherung?
Eine Handyversicherung ist relativ teuer. Schliesst man bei einem Smartphone, das 800 Franken kostet, eine Handyversicherung ab, zahlt man dafür über 24 Monate je nach Mobilfunk-Anbieter 139 bis 360 Franken. Das sind 17 bis 45% des Verkaufspreises des Handys. Dazu kommt, dass Konsumenten bei einer Handyversicherung nie wissen, ob die Versicherung im Schadensfall wirklich zahlen wird oder ob sich die Versicherung auf eine der zahlreichen Ausnahmen berufen wird.

Kunden legen daher besser Monat für Monat etwas Geld zur Seite. Wenn das Smartphone kaputtgeht, können sie ein neues Gerät kaufen.

Ralf Beyeler, Telekom-Experte Konsumenten-Portal Verivox

Jetzt passendes Handy-Abo finden!