schwangere frau beim arzt

Was bezahlt die Versicherung bei Schwangerschaft und Geburt? Die kurze Antwort auf diese Frage: Die obligatorische Grundversicherung deckt alle notwendigen Leistungen zur Mutterschaft ab. Gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) umfassen diese Leistungen die Vorsorge während der Schwangerschaft, die Geburt und die nachfolgende Erholungszeit der Mutter.

Gut zu wissen: Ab der 13. Schwangerschaftswoche und bis acht Wochen nach der Geburt müssen Frauen keine Kostenbeteiligung (Franchise und Selbstbehalt) bezahlen. Sie müssen sich auch nicht mehr an den Behandlungskosten für Krankheiten beteiligen, die unabhängig von der Schwangerschaft auftreten.

  • Während der Schwangerschaft und Geburt und der darauffolgenden Erholungszeit der Mutter übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung folgende Leistungen:

    • Routineuntersuchung: Sieben Routineuntersuchungen während der Schwangerschaft bei einem Arzt, einer Ärztin oder einer Hebamme werden von der Grundversicherung übernommen.
    • Ultraschallkontrolle: Je eine Ultraschalluntersuchung zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche und eine weitere zwischen der 20. und 23. Schwangerschaftswoche werden von der Grundversicherung bezahlt. Im Fall einer Risikoschwangerschaft werden so viele (Ultraschall-) Untersuchungen wie nötig übernommen.
    • Ersttrimestertest: Die obligatorische Grundversicherung übernimmt die Kosten für den Ersttrimestertest zur pränatalen Abklärung des Risikos der Trisomien 21, 18 und 13 anhand der Messung der Nackentransparenz in der Ultraschalluntersuchung (12.-14. Schwangerschaftswoche) sowie der Bestimmung von bestimmten Faktoren im mütterlichen Blut und weiterer mütterlicher und fötaler Faktoren (u.a. Alter der Mutter).
    • Nicht-invasiver Pränatal-Test NIPT: Ein Trisomie-Test (nicht-invasiver Pränatal-Test NIPT) wird übernommen zur Untersuchung auf eine Trisomie 21, 18 oder 13 bei Einlingsschwangerschaften ab der 12. Schwangerschaftswoche, wenn ein erhöhtes Risiko einer Trisomie 21, 18 oder 13 vorliegt. Dieses Risiko muss vorher mit dem Ersttrimester-Test bestimmt worden sein. Ein erhöhtes Risiko liegt vor, wenn dieses 1:1000 oder höher ist. Ein positives Resultat im NIPT sollte in einer Fruchtwasseruntersuchung bestätigt werden.
    • Geburtsvorbereitungskurs: Die Krankenkasse übernimmt einen Beitrag von 150 Franken an Kurse zur Geburtsvorbereitung, die von Hebammen in Gruppen durchgeführt werden.
    • Geburt: Die Kosten der Geburt werden vergütet, wenn diese von einem Arzt, einer Ärztin oder einer Hebamme begleitet wird, sei es im Spital, zu Hause oder in einem Geburtshaus des Wohnkantons.
    • Nachkontrolle: Eine Nachkontrolle zwischen der 6. und 10. Woche bei einem Arzt, einer Ärztin oder einer Hebamme gehört ebenfalls zu den bezahlten Leistungen.
    • Stillberatung: Drei Stillberatungen, die von Hebammen oder speziell ausgebildeten Pflegefachpersonen durchgeführt werden, bezahlt die obligatorische Grundversicherung ebenfalls.
    • Wochenbettbetreuung: Weiter übernimmt die Kasse die Kosten für die Betreuung im Wochenbett in den 56 Tagen nach der Geburt im Rahmen von Hausbesuchen durch Hebammen zur Pflege und zur Überwachung des Gesundheitszustandes von Mutter und Kind.

    o   Bei einer Frühgeburt, einer Mehrlingsgeburt, bei Erstgebärenden und bei einem Kaiserschnitt werden höchstens 16 Hausbesuche durch Hebammen vergütet, in allen anderen Situationen höchstens 10 Hausbesuche.

    o   In den ersten 10 Tagen nach der Geburt kann die Hebamme zusätzlich höchstens an 5 Tagen einen zweiten Besuch machen. Für weitere Hausbesuche ist eine ärztliche Verordnung notwendig.

    • Spitalkosten für das Neugeborene: Die Spital- und Pflegekosten für das gesunde Neugeborene, die während des Spitalaufenthalts mit seiner Mutter anfallen, gehören zu den Mutterschaftsleistungen, d.h. sie gehen zu Lasten der Versicherung der Mutter (ohne Kostenbeteiligung). Wird das Neugeborene krank, gehen die Kosten zu Lasten des Versicherers des Neugeborenen (mit Kostenbeteiligung).
  • Je nach den Bedürfnissen der werdenden Mutter können Zusatzversicherungen bei Mutterschaft  Sinn machen. Die Grundversicherung deckt zwar alle notwendigen Leistungen rund um die Mutterschaft ab. Wer zusätzliche Leistungen oder Komfort wünscht, ist mit einer Zusatzversicherung gut beraten. 

    Wer aber in einem Privatspital (zum Beispiel Hirslanden Gruppe oder Lindenhof) oder einem Spital ausserhalb des Wohnkantons gebären möchte, braucht dafür eine Zusatzversicherung. Auch wer vorgeburtliche Tests(zum Beispiel Gentests für Erbkrankheiten) oder Untersuchungen wünscht, die nicht im Leistungskatalog der Grundversicherung sind, kann die Kosten für solche über eine Zusatzversicherung gedeckt haben.

    Weitere Leistungen, die Zusatzversicherungen bei Mutterschaft übernehmen, sind zum Beispiel eine Haushaltshilfe für die Zeit nach der Geburt, Stillgeld, Rückbildungskurse oder alternativmedizinische Behandlungen.

    Wer sich für stationäre oder ambulante Zusatzversicherungen mit Leistungen zu Mutterschaft interessiert, sollte auf jeden Fall die Angebote der einzelnen Anbieter vergleichen. Den Anbietern steht es frei, welche Leistungen sie im Bereich der Zusatzversicherungen übernehmen wollen, darum kann es grosse Unterschiede geben.

    Bitte beachten: Bei Zusatzversicherungen gilt für Leistungen bei Mutterschaft in vielen Fällen eine Wartefrist/Karenzfrist zwischen 9 Monaten und 2 Jahren. Empfehlenswert ist deshalb der frühzeitige Abschluss einer Spitalzusatzversicherung, wenn ein Kinderwunsch besteht. Fällt die Schwangerschaft in die Wartefrist, bezahlt die Zusatzversicherung keine Leistungen zu Mutterschaft.