Alkohol am Steuer
Zürich, 29.11.2016

Gesetze einhalten, Risiken vermeiden, sicher fahren

In der Schweiz sind 17 Prozent der Unfälle mit Todesopfern oder Schwerverletzten auf Alkohol zurückzuführen. Die Mehrheit davon wird von alkoholisierten Junglenkern verursacht, obwohl allgemein bekannt ist, dass Alkohol die Wahrnehmung verändert und die Fahrtüchtigkeit reduziert. Unter Alkoholeinfluss steigt die Risikobereitschaft, gleichzeitig sinkt das Reaktionsvermögen. Lenker müssen aber gemäss Strassenverkehrsgesetz ihr Fahrzeug jederzeit so beherrschen, dass sie die Vorsichtspflichten einhalten können.

0,5-Promille-Grenze

Erlaubt ist das Fahren mit einem Blutalkoholwert bis zu maximal 0,5 Promille. Ab dann gilt der alkoholisierte Lenker als fahrunfähig. Lenken in fahrunfähigem Zustand gilt als Straftat, die je nach Schwere unterschiedlich bestraft wird. So riskieren Lenker, die wiederholt in angetrunkenem Zustand fahren, eine wesentlich härtere Bestrafung. Dabei wird unterschieden:

  1. Lenken eines Autos mit 0,5 bis 0,79 Promille. Wird der Lenker zum ersten Mal erwischt, erhält er eine Verwarnung. Zudem ist eine Busse von mindestens 600 Franken zu bezahlen.
  2. Lenken mit 0,5 bis 0,79 Promille und gleichzeitiges Begehen einer leichten Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsordnung, die nur geringe Gefahr für andere darstellt. Im Erstfall wird der Lenker mit einer Geldbusse von mindestens 600 Franken und einem Fahrausweisentzug von mindestens einem Monat bestraft.
  3. Fahren mit 0,8 Promille und mehr. Dies gilt als schwere Widerhandlung und wird im Erstfall mit einer Busse von 10 Tagessätzen oder mehr und mindestens drei Monaten Fahrausweisentzug geahndet. Verweigert der Lenker die Bezahlung der Busse, kann er zu einer Ersatzfreiheitsstrafe verurteilt werden.

Je nachdem, welche Delikte zum Lenken in fahruntüchtigem Zustand dazu kommen – etwa Fahrerflucht, Körperverletzung oder die Verweigerung der Blutprobe – fällt die Strafe schwerer aus. Für die Strafzumessung spielen unter anderem auch das Vorleben, Vorstrafen und die Höhe der Alkoholkonzentration eine Rolle. Jeder Kanton und jede kantonale Behörde entscheidet eigenständig über die Strafen: Geldstrafen, Fahrausweisentzug, Freiheitsentzug oder gemeinnützige Arbeit sind möglich.

0,0 Promille für Neulenker und Fahrschüler

Neulenker haben im Vergleich zu erfahrenen Fahrern ein über doppelt so hohes Risiko, tödlich zu verunfallen. Durch den Konsum von Alkohol steigt dieses Risiko nochmals deutlich an. Seit 2014 gilt daher für Neulenker mit Fahrausweis auf Probe ein absolutes Alkoholverbot (weniger als 0,1 Promille). Dieselbe Promillegrenze gilt ausserdem für:

  • Fahrschüler mit Lernfahrausweis,
  • Fahrlehrer sowie Begleitpersonen auf Lernfahrten
  • Berufsfahrer von Lastwagen, Gesellschaftswagen, Kleinbussen, Taxis und Gefahrenguttransportern.

Neulenker, die in angetrunkenem Zustand fahren, riskieren Bussen, höhere Geldstrafen bis hin zum Führerausweisentzug und Freiheitsstrafe. Beim ersten Ausweisentzug wird die Probezeit automatisch um ein Jahr verlängert. Beim zweiten wird der Lernfahrausweis annulliert. Ein neuer Fahrausweis kann frühestens nach einem Jahr und mit einem positiven verkehrspsychologischen Gutachten beantragt werden.

Alkohol-Wegfahrsperre

Die Alkohol-Wegfahrsperre wird für Personen eingesetzt, die in angetrunkenem Zustand gefahren sind und denen deswegen der Fahrausweis entzogen wurde. Allerdings wird sie nur in schwerwiegenden Fällen vorgeschrieben. Macht der betroffene Lenker nach dem Ausweisentzug eine Therapie und hat er eine günstige Prognose, erhält er den Fahrausweis zurück. Dies allerdings mit der Auflage, fünf Jahre nur mit Autos mit Alkohol-Wegfahrsperre zu fahren. Jedes Mal vor dem Wegfahren muss der Lenker in dieses Gerät blasen; sind die Werte in Ordnung, lässt sich das Fahrzeug starten.

Auswirkungen auf die Autoversicherung

Fahren in alkoholisiertem Zustand gilt in Bezug auf die Autoversicherung generell als Grobfahrlässigkeit. Durch grobfahrlässiges Verhalten herbeigeführte Schäden werden von den meisten Versicherungen nicht oder nicht ganz gedeckt. Auch mit dem von einigen Versicherungen gegen Aufpreis angebotenen Grobfahrlässigkeitsschutz kann dies nicht umgangen werden. Schäden, die unter Alkoholeinfluss entstanden sind, sind auch hier ausgenommen.

Auswirkungen auf die Unfallversicherung

Kommt es im Zuge einer Fahrt in alkoholisiertem Zustand zu einem Unfall, bei dem der Fahrer selbst verletzt wird, ist auch mit negativen Auswirkungen auf die Unfallversicherung zu rechnen. Unabhängig davon, ob der Lenker über die obligatorische Krankenversicherung oder als Arbeitnehmer über seinen Arbeitgeber unfallversichert ist: Die Unfallversicherung übernimmt zwar die Heilungskosten, jedoch können allfällige Geldleistungen, wie Taggelder oder Invaliditätsentschädigungen, massiv gekürzt werden. Dies gilt auch für eventuelle freiwillige Zusatzversicherungen für Geldleistungen in der Krankenversicherung.

Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt

Auch wenn nach wie vor viele Lenker das alkoholisierte Fahren bagatellisieren – Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bereits geringe Mengen Alkohol Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit haben:

  • 0,2 Promille: Erste Einschränkungen der Wahrnehmung. Die Konzentration nimmt ab und die Reaktion ist beeinträchtigt. Gleichzeitig erhöht sich bei abnehmender Urteilsfähigkeit die Risikobereitschaft.
  • 0,5 Promille: Gesichts- und Blickfeld verengen sich zum Tunnelblick. Entfernungen können nicht mehr korrekt eingeschätzt werden und die Hell-Dunkel-Anpassung des Auges verschlechtert sich. Dies wird kombiniert mit einer zusätzlichen Erhöhung der Risikobereitschaft.
  • 0,8 Promille: Die bereits genannten Auswirkungen intensivieren sich. Der Gleichgewichtssinn ist beeinträchtigt und Koordinationsprobleme treten auf. Ab 0,8 Promille entfaltet Alkohol seine enthemmende Wirkung. Erste Anzeichen von aggressivem Verhalten können auftreten.
  • 1,0 Promille: Eine Verstärkung der allgemeinen Symptomatik tritt ein. Die betrunkene Person verliert ihre Kritikfähigkeit und leichte Verwirrtheitszustände sind zu beobachten.
  • 2,0 - 3,0 Promille: Der Blutalkoholspiegel ist so hoch, dass das sogenannte Betäubungsstadium eintritt.
  • 4,0 Promille: Atemstillstand und Tod

Regelungen zur Prüfung der Fahrtüchtigkeit

Fällt der Polizei ein Lenker durch seine Fahrweise auf und besteht der Verdacht auf Alkohol am Steuer, darf sie die Fahrtüchtigkeit des Fahrers überprüfen. Sie kann dazu Vortestgeräte einsetzen, die über die Untersuchung von Urin, Speichel oder Schweiss Auskunft über den Grad der Alkoholisierung geben. Ist das Resultat positiv, der Lenker also alkoholisiert, führt die Polizei auch eine Atem-Alkoholprobe durch. Ist das Ergebnis negativ, werden keine weiteren Untersuchungen gemacht. Die Polizei kann den Vortest auch weglassen und gleich eine Atem-Alkoholkontrolle durchführen.

Diese darf frühestens 20 Minuten nach dem letzten Schluck oder einer Mundspülung durchgeführt werden, um korrekte Werte zu ergeben. Daher fragt die Polizei üblicherweise, wann der Lenker das letzte alkoholische Getränk zu sich genommen hat. Die Atem-Alkoholprobe erfordert zwei Messungen. Ergeben beide Messungen Werte unter 0,5 Promille mit einer Abweichung von weniger als 0,1 Promille, gilt der Fahrzeuglenker als nüchtern. Bei einer Abweichung von mehr als 0,1 Promille sind zwei weitere Messungen erforderlich. Bestätigt sich die Abweichung von mehr als 0,1 Promille wiederholt, wird eine Blutuntersuchung angeordnet.

Blutuntersuchungen zur Feststellung der Alkoholisierung

Eine Blutuntersuchung wird in folgenden Fällen angeordnet:

  • Die Blutalkoholkonzentration liegt bei 0,8 Promille oder mehr bei Autolenkern.
  • Die Blutalkoholkonzentration liegt bei 1,1 Promille oder mehr bei Fahrern motorloser Fahrzeuge (zum Beispiel Velo).
  • Die Atem-Alkoholmessung zeigt einen Wert oberhalb der erlaubten Grenze an und die betroffene Person erkennt das Ergebnis nicht an.
  • Der Fahrer weist eine Blutalkoholkonzentration von 0,3 Promille auf und es besteht der Verdacht, dass er zwei Stunden oder mehr vor der Kontrolle ein Fahrzeug in alkoholisiertem Zustand gefahren hat.
  • Besteht der Verdacht auf Fahrunfähigkeit und ist die Durchführung eines Vortests oder einer Atem-Alkoholprobe nicht möglich, kann auch direkt eine Blutuntersuchung angeordnet werden.

Experten empfehlen, beim Fahren generell auf Alkoholkonsum zu verzichten und so Risiken für sich selbst und andere zu vermeiden.