Mutter und Tochter mit Sparschwein
Zürich, 29.11.2016

Grundsätzliche Informationen, Prämienverbilligung und Sparmöglichkeiten

Die Kosten für die in der Schweiz gesetzlich vorgeschriebene Krankenpflegeversicherung setzen sich aus drei Elementen zusammen: Aus der Krankenkassenprämie, der Franchise und dem Selbstbehalt. Die Krankenkassenprämie fällt als sogenannte „Kopfprämie“ pro Person an. Diese Prämie ist ein Fixbetrag, der an die Krankenkasse bezahlt werden muss, unabhängig davon, ob ein Krankheitsfall eintritt oder nicht. In der Regel ist die Krankenkassenprämie im Voraus für einen Monat fällig. Die Franchise und der Selbstbehalt kommen erst dann zum Tragen, wenn medizinische Leistungen in Anspruch genommen werden.

Unterschiedliche Prämien

Die Prämien werden von den Krankenkassen einheitlich pro Person nach Wohnregion und gewähltem Versicherungsmodell festgelegt und richten sich nicht nach dem Einkommen der versicherten Person. Das heisst, die Prämien variieren von Kanton zu Kanton und von Krankenkasse zu Krankenkasse. Zudem gibt es pro Kanton bis zu drei Prämienregionen, die ebenfalls unterschiedliche Krankenkassenprämien haben können. Die Krankenkassen berücksichtigen bei ihrer Berechnung die zu erwartenden Kosten. Kantone und Regionen, in denen die Gesundheitskosten höher sind, haben daher auch höhere Versicherungsprämien.

Die Festlegung der Prämien erfolgt jeweils Ende Juli für das folgende Kalenderjahr. Die von den Krankenkassen festgelegten Prämien werden zur Genehmigung beim BAG (Bundesamt für Gesundheit) eingereicht. Ende September erfolgt die Genehmigung und die Krankenkassen müssen ihre Versicherten bis spätestens Ende Oktober über die neuen Prämien informieren. Die Versicherten haben danach bis Ende November Zeit, die Prämien zu vergleichen, die für sie günstigste Krankenkasse zu eruieren und evtl. zu wechseln bzw. ihr Versicherungsmodell anzupassen.

Prämienverbilligung

Personen mit bescheidenen finanziellen Mitteln haben Anspruch auf Prämienverbilligung. Die Anspruchsberechtigung ist kantonal geregelt. Die wesentlichen Kriterien sind die Höhe des Einkommens und die Anzahl der Kinder. In vielen Kantonen werden anspruchsberechtigte Versicherte automatisch informiert, wenn ihnen eine Prämienverbilligung zusteht. In einigen Kantonen jedoch  muss die Prämienverbilligung schriftlich beantragt werden. Bei den zuständigen Stellen des Wohnkantons können Versicherte ihre Anspruchsberechtigung und die Höhe der Verbilligung überprüfen. Berechtigte sollten sich genau über Formvorschriften und Termine für den Antrag informieren und diese einhalten. Ausbezahlt werden die Prämienverbilligungsbeiträge direkt an die Krankenkassen der anspruchsberechtigten Personen.

Prämienverbilligung für Personen in EU/EFTA-Staaten

Die Versicherungspflicht in der Schweiz besteht auch für Grenzgänger und Personen, die in einem EU-/EFTA-Staat wohnen und eine schweizerische Rente beziehen sowie für ihre nichterwerbstätigen Familienangehörigen. Sie gilt auch für in der EU/EFTA wohnende, nicht erwerbstätige Familienangehörige von Personen, die in der Schweiz wohnen und arbeiten. Leben diese Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen, haben sie Anspruch auf Prämienverbilligung. Für die in der Schweiz Erwerbstätigen und deren Familienangehörigen ist der Kanton des Wohn- bzw. bei Grenzgängern des Arbeitsortes für die Verbilligung zuständig. Für Rentner und ihre Familienangehörigen ist der Bund zuständig. Ihre Verbilligung wird durch die Gemeinsame Einrichtung KVG durchgeführt.

Kein Anspruch auf Prämienverbilligung

Personen oder Familien, deren jährliches Bruttoeinkommen 150‘000 Franken bzw. deren Bruttovermögenswerte 1 Million Franken übersteigen, haben keinen Anspruch auf Prämienverbilligung. Auch Personen, die von Amtes wegen steuerlich veranlagt wurden, haben keinen Anspruch. Für Lernende und Studierende unter 25 Jahren besteht zwar prinzipiell Anspruch auf Verbilligung. Sie dürfen aber keinen eigenen Antrag stellen, sondern müssen im Gesuch ihrer anspruchsberechtigten Eltern mitaufgeführt werden.

Zahlreiche Sparmöglichkeiten bei den Prämien

Die Prämienverbilligung steht nur anspruchsberechtigten Personen zu. Doch Versicherte haben viele  verschiedene Möglichkeiten, bei den Prämien zu sparen:

Sparen durch Vergleichen

Sehr häufig zahlt es sich bereits aus, die Prämien der Krankenkassen genau zu vergleichen und evtl. zu einer günstigeren zu wechseln.

Grund- und Zusatzversicherung trennen

Grund- und evtl. Zusatzversicherungen müssen nicht bei derselben Krankenkasse abgeschlossen werden. Oft ermöglicht eine Trennung die Nutzung eines Sparpotentials.

Wahl einer höheren Franchise

Die ordentliche Franchise – also jener Betrag, der im Krankheitsfall neben dem Selbstbehalt selbst zu bezahlen ist – beträgt 300 Franken. Versicherte können freiwillig eine höhere Franchise mit ihrer Krankenkasse vereinbaren. Dies senkt in der Regel die Prämien. Die Rabatte für Wahlfranchisen unterscheiden sich von Krankenkasse zu Krankenkasse. Nicht immer wird für die höchste Franchise auch die höchste Prämienreduktion gewährt und nicht in jedem Fall lohnt sich eine höhere Franchise. Daher sind ein genauer Vergleich der Angebote und eine möglichst genaue Einschätzung der jährlich anfallenden Arztkosten wichtig. Zudem sollten Versicherte die vereinbarte höhere Franchise auf jeden Fall verfügbar haben, da sie im Krankheitsfall bezahlt werden muss.

Wahl eines alternativen Versicherungsmodells

Versicherte können Prämien auch durch bestimmte Einschränkungen sparen, die in Form von alternativen Versicherungsmodellen angeboten werden:

HMO-Modell

Im HMO- (Health Maintenance Organization) Modell verpflichten sich die Versicherten, im Krankheitsfall immer zuerst einen Arzt des HMO-Zentrums aufzusuchen. Ausnahme: Notfälle.

Hausarztmodell

Beim Hausarztmodell wählen die Versicherten einen Arzt eines Hausarztnetzwerks als Hausarzt und verpflichten sich, immer zuerst diesen zu konsultieren, ausser in Notfällen.

Telmed-Modell

Einige Krankenkassen bieten auch dieses Modell an. Hier verpflichtet sich der Versicherte dazu, sich vor jedem Arztbesuch telefonisch beraten zu lassen.

Beitritt zu einer Bonusversicherung

Für Personen, die nur selten bis nie ärztliche Behandlung benötigen, ist diese Sparmöglichkeit lukrativ. Denn in der Bonusversicherung sinkt die Prämie mit jedem Jahr, in dem die Krankenkasse keine Leistungen vergüten muss. So kann die Prämie innerhalb von fünf Jahren auf die Hälfte der Ausgangsprämie sinken. Allerdings ist die Ausgangsprämie 10 Prozent höher als die ordentliche Prämie. Zudem darf die Franchise in diesem Modell nicht erhöht werden.

Ausschluss der Unfalldeckung

Sparen können erwerbstätige Versicherte durch den Ausschluss der Unfalldeckung. Wenn sie acht oder mehr Stunden pro Woche erwerbstätig sind, versichert sie in der Regel ihr Arbeitgeber für Berufs- und Nichtberufsunfälle.

Sistieren der Krankenversicherung bei länger dauernder Dienstpflicht

Versicherte, die mehr als 60 aufeinanderfolgende Tage Militär-, Zivil- oder Zivilschutzdienst leisten, können die obligatorische Krankenversicherung sistieren. Sie sind dennoch versichert – durch die Militärversicherung.

Vorauszahlung der Prämien

Für die Bezahlung der Jahresprämie in ein oder zwei Raten, anstelle der monatlichen Zahlung, gewähren einige Krankenkassen Skonto.