Fahranfänger / Neulenker
Zürich, 29.11.2016

Die wichtigsten Informationen zur Autoversicherung für Jung- und Neulenker

Junglenker sind Autofahrer, die jünger als 25 sind. Neulenker sind Autofahrer, die älter als 25 sind, aber ihren Führerausweis kürzer als zwei Jahre lang haben. Speziell Junglenker müssen in der Schweiz für die Autoversicherung häufig tiefer in die Tasche greifen als ältere Autofahrer. Denn sie sind laut Statistik mit deutlich höherem Risiko unterwegs und verursachen mehr Unfälle als erfahrenere Fahrer. Daher ist es für sie besonders wichtig, sich detailliert über Prämienhöhen, inbegriffene Leistungen und Rabattmöglichkeiten zu informieren, die Offerten genau zu vergleichen und sich dann gezielt für die optimale Autoversicherung zu entscheiden.

Voraussetzung 1: Zweiphasenausbildung

Jung- und Neulenker, die die praktische Führerprüfung bestanden haben, erhalten den Führerausweis auf Probe. Diese Probezeit dauert drei Jahre. Innerhalb dieser drei Jahre müssen sie zwei Weiterausbildungskurse (WAB-Kurse von insgesamt 16 Stunden) an einem anerkannten Fahrsicherheitszentrum absolvieren. Erst danach können sie den unbefristeten  Führerausweis beantragen. Junglenker, die diese Frist verpassen, erhalten keinen unbefristeten Führerausweis. Ihr Probe-Führerausweis wird ungültig. Vor allem: Sie haben keinen Versicherungsschutz mehr – auch nicht, wenn sie eine Vollkasko-Versicherung abgeschlossen haben. Passiert ein Unfall, bezahlt die Versicherung zwar, wenn Dritte zu Schaden kommen. Aber sie fordert den Betrag danach vom Junglenker zurück. Das kann sehr teuer werden. Das erfolgreiche Absolvieren der WAB-Kurse ist daher unabdingliche Voraussetzung für die Autoversicherung, genauso wie das vorsichtige Fahren. Denn begeht der Junglenker innerhalb der Probezeit zwei Zuwiderhandlungen, die zum Entzug des Führerausweises führen, wird der Ausweis eingezogen. Damit erlischt auch der Versicherungsschutz.

Voraussetzung 2: Alkoholverbot beim Fahren

Im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms „Via Sicura“ wurde für Lenker mit Lernfahrausweis und Führerausweis auf Probe die 0,1-Promille-Grenze eingeführt. Junglenker, die unter Einfluss von Alkohol fahren, müssen mit deutlich härteren Konsequenzen rechnen als ältere Autofahrer. Führt die Überschreitung zu einem Entzug des Führerausweises auf Probe, verlängert sich die Probezeit um ein Jahr. Kommt es bei einer zweiten Zuwiderhandlung zu einem weiteren Ausweisentzug, wird der Probe-Führerausweis annulliert, und damit entfällt auch der Versicherungsschutz. Erst nach einem Jahr und nach einem verkehrspsychologischen Gutachten darf ein neuer Ausweis beantragt werden.

Sparpotenziale bei der Autoversicherung nutzen

Sind  alle Voraussetzungen erfüllt und das erste Auto gekauft, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Versicherung. Jung- und Neulenkern stehen prinzipiell dieselben Versicherungen zur Verfügung wie allen anderen Verkehrsteilnehmern. Allerdings müssen sie einige Besonderheiten beachten.

Haftpflichtversicherung

Die Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben und daher ein Muss. Mit dieser Versicherung sind alle Schäden an Dritten respektive deren Sachen abgedeckt, die vom Lenker mit seinem Fahrzeug verursacht werden. Die Offerten der Versicherungsanbieter sind meist sehr ähnlich. Daher lohnt es sich, in erster Linie die Prämienhöhen zu vergleichen und nicht das erstbeste Angebot zu unterschreiben. Genau achten sollten Jung- und Neulenker aber darauf, dass ein Grobfahrlässigkeitsschutz inbegriffen ist. Er ist für sie speziell wertvoll, aber in den Junglenker-Angeboten mancher Versicherungsanstalten nicht enthalten.

Obligatorischer Selbstbehalt

Für Jung- und Neulenker ist ein Selbstbehalt bei der Autoversicherung Pflicht. Der Selbstbehalt ist jener Betrag, der vom Versicherten im Schadensfall selbst zu bezahlen ist. Ältere Autofahrer haben keinen verpflichtenden Selbstbehalt. Für Jung- und Neulenker gelten in der Regel unterschiedliche Selbstbehalt-Höhen:

  • Junglenker: CHF 1'000
  • Neulenker: CHF 500

Ein genauer Blick auf die in der Police aufgeführte Höhe lohnt sich. Denn im Schadensfall muss das Geld dafür auch tatsächlich vorhanden sein. Prinzipiell gilt der Selbstbehalt pro Schadensfall, für den die Versicherungsgesellschaft Zahlungen leistet. Manche Versicherungen reduzieren die Höhe des Selbstbehalts gegen bestimmte Verpflichtungen. Insofern empfiehlt es sich auch in diesem Punkt, die Versicherung mit Bedacht zu wählen.

Teilkaskoversicherung

Die freiwillige Teilkaskoversicherung versichert unverschuldete Schäden am eigenen Auto. Dazu gehören Diebstahl, Elementarereignisse wie Hagel, Steinschlag oder Hochwasser, Feuer, Glasschäden, Kollisionen mit Tieren, Vandalenakte, Marderschäden und Schäden an persönlichen Gegenständen im Auto. Diese Risiken sind in unterschiedlichen Kombinationen versicherbar. Hier zählt, was tatsächlich notwendig ist. Zum Beispiel laufen Lenker, die sich nur in der Stadt bewegen, kaum Gefahr, mit einem Reh zu kollidieren und können auf dieses Modul wohl verzichten. Der oftmals empfohlene freiwillige höhere Selbstbehalt bei der Teilkasko-Versicherung lohnt sich nur in den wenigsten Fällen, auch wenn er vordergründig die Prämie ein wenig senkt.

Kollisionskaskoversicherung

Diese ebenfalls freiwillige Versicherung deckt selbst verursachte Schäden am eigenen Fahrzeug ab. Etwa, wenn beim Parkieren etwas passiert. Die Kombination aus Teil- und Kollisionskasko heisst Vollkaskoversicherung. Eine Kollisionskaskoversicherung rechnet sich nicht in jedem Fall. In der Regel wird sie für neuere Fahrzeuge abgeschlossen – meistens mit Zeitwertzusatz. Dieser garantiert im Fall eines Totalschadens eine Versicherungszahlung, die rund 20 Prozent höher liegt als der aktuelle Marktwert des Autos. So ist ein vergleichbares neues Fahrzeug eher leistbar. Je nachdem, für welches Auto der Junglenker sich entscheidet, macht eine Kollisionskaskoversicherung eher oder weniger Sinn. Junglenker, die sich entscheiden, diese Versicherung abzuschliessen, sollten darüber hinaus überlegen, einen höheren Selbstbehalt für Kollisionsschäden zu vereinbaren. Das senkt die Prämie deutlich. Im Schadensfall muss der Junglenker aber auch über das Geld verfügen.

Insassen-Unfallversicherung

Kosten für Personenschäden des Fahrers und der Insassen versichert die Insassen-Unfallversicherung. Versicherbar sind Heilungskosten, Taggelder für Spitalaufenthalte und bei Arbeitsunfähigkeit sowie Zahlungen im Todesfall und bei Invalidität. Die Insassen-Unfallversicherung kann getrennt für den Fahrer, den Beifahrer oder alle Insassen abgeschlossen werden. Sind die Insassen schon über die Krankenkasse oder ihren Arbeitgeber versichert, ist diese Versicherung unnötig. Einzelne Versicherungen bieten auch eine Abdeckung der Heilungskosten für Haustiere an. Auch hier gilt für Jung- und Neulenker: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Und genaues Vergleichen verschiedener Offerten lohnt sich.

Besondere Angebote und Verpflichtungen

Junglenker sind eine interessante, aber risikoreiche Kundengruppe für die Versicherungen. Um dieser Zielgruppe attraktive Angebote bieten zu können, verbinden manche Versicherungen ihre Versicherungspakete mit bestimmten Verpflichtungen, die zu niedrigeren Prämien führen. Ein Beispiel dafür ist die freiwillige Installation eines Fahrtenschreibers (Blackbox), der die Fahrweise ermittelt, zentral erfasst und analysiert. Über ein dazu gehöriges Internetportal erhalten die Junglenker Feedback zu ihrer Fahrweise. Auch das Absolvieren eines Führersicherheitstrainings mit einem daraus resultierenden Prämienbonus gehört zu diesen Rabatt-Angeboten. Allerdings muss, was auf den ersten Blick günstig klingt, unter dem Strich nicht unbedingt günstig sein. Für Jung- und Neulenker gilt schlicht noch viel stärker als für ältere Autofahrer: Vergleichen, vergleichen, vergleichen und erst dann unterschreiben.