Auto mit Wegfahrsperre
Zürich, 29.11.2016

Effektiver Diebstahlschutz für Auto, Motorrad, Anhänger und Velo

Eine Wegfahrsperre ist eine Vorrichtung im oder am Fahrzeug, die eine unbefugte Inbetriebnahme bzw. den Diebstahl des Fahrzeugs verhindern soll. Wegfahrsperren gibt es für Autos, Motorräder, Anhänger und auch für Velos. Technisch unterscheidet man in elektronische und mechanische Wegfahrsperren. Darüber hinaus gibt es die Alkohol-Wegfahrsperre für Lenker, die nach einem Fahrausweisentzug nur unter Auflagen wieder fahren dürfen.

Elektronische Wegfahrsperre

Die elektronische Wegfahrsperre lässt die Nutzung des Fahrzeugs erst nach einer elektronischen Authentifizierung zu. Heute verfügt in Europa so gut wie jeder Neuwagen über eine elektronische Wegfahrsperre. Sie wird bei der Zündung automatisch aktiviert und unterbindet das Starten des Motors – solange, bis der berechtigte Benutzer die Sperre deaktiviert. Derzeit kommen vor allem drei Systeme zum Einsatz:

- relaisgestützte Dreikreisunterbrechungen,
- Mikrochip-basierte Sperren mit Klartextcodierung und
- kryptische RFID-Transponder.

Technologische Entwicklung der Wegfahrsperren

Funktionsweise und auch Sicherheitsumfang hängen im Wesentlichen von dem Baujahr bzw. der Generation der eingesetzten Wegfahrsperre ab. Systeme aus den Anfangsjahren dieser Technologie basierten vornehmlich auf einer Schaltung von verschiedenen Relais und waren einfachster Bauart. Diese sogenannten Dreikreissysteme unterbrechen den Anlasser-, den Zündungs- sowie den Kraftstoffpumpenstromkreis.

Ebenfalls aus diesen ersten Jahren der elektronischen Wegfahrsperren stammen Schlüsselanhänger, die mit galvanischen Kontakten ausgestattet sind. Sie müssen vor dem Starten in einen speziellen Leseschlitz oder eine runde Aufnahmehülse gesteckt werden.

Neben dieser Technologie gab es auch Wegfahrsperren, bei denen ein PIN-Code eingegeben werden musste.

Es folgten Systeme, die einen Austausch von elektronischen Informationen zwischen einem meist im Zündschlüssel integrierten passiven (stromlosen) Mikrochip und einer Sende- und Empfangseinheit im Zündschloss ermöglichten. Diese Wegfahrsperren erfüllten die Sicherheitsanforderungen allerdings nicht sehr lange. Weil die bei diesen Anlagen ausgetauschten Informationen unverschlüsselt waren, konnten sie problemlos ausgelesen werden.

In der Folge entwickelten die Automobilhersteller Systeme mit sogenannter kryptischer Verschlüsselung, die ein Auslesen deutlich erschwert.

Moderne Wegfahrsperren mit RFID-Transponder

Moderne Wegfahrsperren arbeiten mit digitalen Verschlüsselungsmethoden, zum Teil mit einem Wechselcodeverfahren. Dabei wird mittels eines im Original-Autoschlüssel enthaltenen Funkchips die Sperre aufgehoben und zugleich bei jedem Startvorgang ein neuer Code erzeugt. Bei den eingesetzten Funkchips handelt es sich meist um sogenannte passive RFID-Transponder (RFID: radio-frequency identification = Identifizierung mittels elektromagnetischer Wellen). Diese Chips weisen eine höhere Sicherheit auf. Bei hochwertigen Anlagen verfügen sie über eine Verschlüsselungstiefe von 96 Bit. Damit ist das Entschlüsseln des Codes für Unbefugte so gut wie unmöglich. Die Freigabe erfolgt mithilfe des sogenannten CAN-Bus, eines vernetzten Datensystems. Autodiebe, die keine elektronische Hochleistungsausrüstung haben, sind bei diesen Fahrzeugen kaum je erfolgreich.

Störungen der Wegfahrsperre

Fällt eine Wegfahrsperre aus, lässt sich das Fahrzeug auch durch berechtigte Nutzer nicht mehr bewegen. Insbesondere bei modernen Autos gibt es vor Ort keinerlei Möglichkeit, eine ausgefallene Wegfahrsperre zu reparieren und damit das Fahrzeug wieder fahrtüchtig zu machen. Hier hilft nur die Autogarage. Ersatzmodule, insbesondere Steuergeräte, sind in der Regel nicht im normalen Handel oder über Onlineshops, sondern nur über zertifizierte Vertragswerkstätten erhältlich.

Nachrüsten der elektronischen Wegfahrsperre

Im Prinzip kann jedes Fahrzeug mit einer elektronischen Wegfahrsperre ausgestattet werden. Dies gilt sowohl für Pkw als auch für Motorräder, Kleintransporter und Lastwagen. Autobesitzer, die die Wegfahrsperre nachrüsten wollen, sollten sich vor dem Kauf detailliert informieren, welches System im betreffenden Fahrzeug eingebaut werden kann. Überdies sollten der Einbau und die gegebenenfalls notwendige Programmierung ausschliesslich durch eine autorisierte Garage erfolgen. Sonst kann es passieren, dass die nachgerüstete Wegfahrsperre von der Versicherung nicht anerkannt wird.

Mechanische Wegfahrsperren

Neben elektronischen Wegfahrsperren gibt es auch verschiedene mechanische Sicherungssysteme, die vor einer unberechtigten Benutzung des Fahrzeugs schützen. Dazu gehören in erster Linie:

  • Lenkradschlösser
  • Lenkradkrallen
  • Lenkrad-Pedal-Verbindungen
  • Schalthebelsperren
  • Handbremshebelsperren
  • Parkkrallen

Lenkradschlösser

Vor allem Lenkradschlösser sind seit vielen Jahrzehnten in praktisch jedem Fahrzeug verbaut und in den meisten europäischen Ländern seit langer Zeit gesetzlich vorgeschrieben. Selbst Mopeds und Kleinroller verfügen über diese Sicherungstechnik. Die Aktivierung dieses mechanischen Systems erfolgt durch das Abziehen des Zündschlüssels, woraufhin die Lenkradsperre einrastet und ein Drehen des Lenkrads verhindert. Bei älteren Motorrädern und Rollern gibt es auch vom Zündschloss getrennte Lenkradsperren, die mit einem Extraschlüssel verschlossen oder gelöst werden können. Allerdings ist die Wirksamkeit eines Lenkradschlosses nicht allzu hoch: Diebe können die Sperre meist gewaltsam aufheben.

Lenkradkrallen, Lenkrad-Pedal-Verbindungen, Schalt- und Handbremshebelsperren

Auch bei den sogenannten Lenkradkrallen oder Kombi-Systemen – diese werden zwischen Lenkrad und Brems- oder Kupplungspedal eingehängt – steht eher die optische Abschreckung im Vordergrund. Profis mit Bolzenschneidern oder Trennschleifern können derartige Sicherungen in kürzester Zeit durchtrennen. Ähnlich verhält es sich mit Schalthebel- oder Handbremshebelsperren.

Parkkrallen

Einzig die schweren Parkkrallen stellen für Autodiebe ein Hindernis dar, das nicht ohne weiteres überwunden werden kann. Allerdings ist bei dieser Form der mechanischen Wegfahrsperre die Unförmigkeit ein grosser Minuspunkt: Kaum ein Autofahrer ist bereit, vor jeder Fahrt eine schwergewichtige Parkkralle ab- und am Zielort wieder anzubringen.

Nachrüstung von mechanischen Wegfahrsperren

Die meisten mechanischen Wegfahrsperren können im Zubehörhandel erworben und selbst nachgerüstet beziehungsweise installiert werden. Lenkradkrallen oder Lenkrad-Pedal-Kombinationen werden nach dem Abstellen des Fahrzeuges manuell eingesetzt und arretiert. Einige Gangschaltungssperrsysteme müssen hingegen von einer Garage eingebaut werden. Mit ihnen lässt sich ein Wechseln der Gänge bzw. ein Umlegen des Fahrhebels bei Automatikgetrieben verhindern.

Alkohol-Wegfahrsperre

Die Alkohol-Wegfahrsperre wird eingesetzt für Personen, die in angetrunkenem Zustand gefahren sind und denen deswegen der Fahrausweis entzogen wurde. Nach einer Therapie und mit einer günstigen Prognose erhalten sie den Fahrausweis zurück. Dies allerdings mit der Auflage, fünf Jahre nur mit Autos mit Atem-Alkohol-Wegfahrsperre zu fahren. Vor dem Wegfahren muss der Lenker in das Gerät blasen. Sind die Werte in Ordnung, lässt sich das Fahrzeug starten. Eingesetzt wird die Alkohol-Wegfahrsperre nur in schwerwiegenden Fällen.

Regelungen in der Autoversicherung

Versicherungen bewerten den Diebstahl des Autos als grobe Fahrlässigkeit, wenn eine vorhandene Wegfahrsperre nicht aktiviert war. Die Kosten werden dann von der Versicherung nicht übernommen. Wird der Autoschlüssel gestohlen, verloren oder beschädigt, erstatten einige Versicherungen die Kosten für das Umprogrammieren der Wegfahrsperre. Im Zuge einer Versicherungsauswahl lohnt sich ein genauer Vergleich der Leistungen und Ausschlüsse in Bezug auf die Wegfahrsperre.