Kfz-Versicherungen in der Schweiz

In der Schweiz gibt es vier Arten von Kfz-Versicherungen. Die Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorschrieben und für jedes zugelassene Fahrzeug (Auto, Lastwagen oder Motorrad) abzuschliessen. Zusätzlich können die Teilkasko-, die Kollisionskasko- und/oder die Insassen-Unfallversicherung genutzt werden. Die Kombination der Teilkasko- und der Kollisionskasko-Versicherung heisst bei einigen Versicherungen Vollkaskoversicherung.

Die Leistungen der obligatorischen Haftpflichtversicherung sind gesetzlich festgelegt und unterscheiden sich daher bei den verschiedenen Versicherungsunternehmen nicht wesentlich. Bei den Prämien allerdings gibt es zum Teil markante Unterschiede. Bei den freiwilligen Zusatzversicherungen unterscheiden sich sowohl die Leistungspakete als auch die Prämienhöhen. Darüber hinaus beeinflussen Wohnort, Fahrzeugtyp und -alter, die Energieeffizienz des Autos, das Alter des Lenkers sowie viele weitere Kriterien die Beitragsberechnung. Das Angebot an Leistungs- und Prämienpaketen ist sehr vielfältig. Es gilt, zunächst die eigenen Bedürfnisse zu definieren, detaillierte Informationen einzuholen und dann genau zu vergleichen.

Kanton beeinflusst Prämienhöhe

Der Wohnort des Fahrzeughalters wirkt sich auf die Prämienhöhe der Kfz-Versicherung aus: Die Tessiner zum Beispiel müssen in der Regel relativ hohe Prämien bezahlen, die Urner hingegen profitieren von tiefen Versicherungskosten. Diese Unterschiede entstehen, weil die Versicherungen für die Prämienberechnung die Schadensstatistik der Kantone heranziehen. Diese verzeichnet in den ländlichen Regionen der Zentralschweiz deutlich weniger Schäden als in den Städten und den Grenz-Kantonen. Auch Diebstähle, für deren Schäden die Versicherungen aufkommen müssen, kommen in den Grenzgebieten deutlich häufiger vor. Die Versicherungen passen ihre Prämien regelmässig den tatsächlichen Kosten an.

Unterschiedliche Prämienhöhen je nach Fahrzeugmodell

Der Fahrzeugtyp ist ein weiteres Kriterium für die Prämienbemessung: Denn ein PS-starker Sportwagen stellt ein deutlich grösseres Risiko für die Versicherung dar als ein Kleinwagen. Auch der Wert des Autos spielt eine Rolle. Je höher der Wert, desto höher ist auch das Diebstahlrisiko. Entsprechend hoch ist die Versicherungsprämie.

Weiteres Kriterium: die individuelle Nutzung des Autos

Auch individuelle Kriterien wirken sich auf die Prämie aus. Beispielsweise führt eine geringe Jahreskilometerleistung zu einer niedrigeren Prämie. Bei Vielfahrern steigt im Gegenzug die Unfall-Wahrscheinlichkeit. Die dazu im Antragsformular abgefragten Angaben sollten beim Abschluss der Versicherung wahrheitsgetreu gemacht werden. Denn im Schadenfall kann die Versicherung Strafzahlungen fordern, wenn die Kilometerangaben im Versicherungsvertrag nicht mit den Prüfergebnissen in der Autogarage übereinstimmen.

Die Unterbringung des Fahrzeugs wirkt sich aus

Besonders bei der Teilkaskoversicherung ist auch die Art der Unterbringung des Autos relevant für die Prämienhöhe. Wird das Auto in einer abschliessbaren Einzel- oder Doppelgarage geparkt, besteht ein geringeres Risiko für Diebstahl oder mutwillige Beschädigung. Auch hier gilt es, ehrliche Angaben zu machen. Die Versicherung kann die Richtigkeit nachprüfen und Sanktionen verhängen. Im Extremfall kann die Versicherung aufgrund der Verletzung vorvertraglicher Anzeigepflichten vom Vertrag zurücktreten.

Möglichkeiten zur Reduktion von Prämien

Versicherte haben verschiedene Möglichkeiten, die Prämienhöhe zu beeinflussen. Eine Reduktion der Prämienhöhe erfolgt etwa durch die Vereinbarung eines Selbstbehalts. Im Schadenfall muss der Versicherte für die Kosten bis zum vereinbarten Betrag selber aufkommen. Erst die darüber hinausgehenden Schäden werden von der Versicherung übernommen. Der Selbstbehalt kann für die Teilkasko- und die Vollkaskoversicherung getrennt festgelegt werden. Da der Selbstbehalt pro Schadenfall gilt, können bei mehreren Schäden im Jahr höhere Summen anfallen. Versicherte sollten sich gut überlegen, bis zu welcher Höhe sie die Kosten tatsächlich selbst übernehmen können und wollen. Zudem sollte der Betrag des Selbstbehalts jederzeit frei verfügbar sein, da er im Schadenfall zu bezahlen ist.

Unfallfreies Fahren wird belohnt

Lenker, die über längere Zeit unfallfrei fahren, erhalten in der Haftplicht- und der Vollkaskoversicherung den Bonusstufen-Rabatt (Bonus-Malus-System). Die Bonushöhe hängt von der Dauer der schadenfrei zurückgelegten Jahre ab. Für jedes unfallfreie Jahr steigt der Bonus. Ausgangsbasis ist immer die 100-Prozent-Prämie der Kfz-Versicherung. Sie dient als Grundlage für die Berechnung. Kommt es zu einem Schaden, sinkt der Bonus und die Versicherungsprämie steigt. Bei kleineren Schäden, deren Kosten nur wenig über dem Selbstbehalt liegen, lohnt es sich daher, den gesamten Schaden selber zu bezahlen. Denn wird der Schaden der Versicherung gemeldet und steigt deshalb die Prämie, kann dies teurer sein als der selbst bezahlte Gesamtschaden. Einige Versicherungen bieten einen Bonusschutz an, der die Prämienerhöhung nach einem Schaden verhindert.

Negative Beurteilung durch häufige Schäden

Bei der Teilkaskoversicherung gibt es normalerweise kein Bonus-Malus-System. Dennoch sollten sich die Versicherten bewusst sein, dass häufig angemeldete Schäden zu einer negativen Beurteilung durch die Versicherung führen können. Beim Wechsel des Versicherers wird die Schadenstatistik abgefragt. Scheint der neuen Versicherung das Risiko zu hoch, kann sie den Versicherungsantrag zu schlechteren Bedingungen annehmen oder sogar ablehnen.

Einschränkung der Garagenwahl

Manche Versicherungen geben Rabatt, wenn für Reparaturen nur bestimmte Autogaragen in Anspruch genommen werden. Hintergrund dafür sind Rahmenabkommen, die die Versicherungen mit Garagen abschliessen, um die Preise von vornherein tief zu halten. So können die Prämien zwar günstiger ausfallen, allerdings müssen die Versicherten ihr Fahrzeug auch beim vorgeschriebenen Garagisten reparieren lassen.

Welche Schäden übernommen werden, ist unterschiedlich

Die Versicherungsangebote unterscheiden sich nicht nur durch die Leistungen, die Prämienhöhen und die Rabattmöglichkeiten. Unterschiedlich ist auch, welche Schäden übernommen werden. Bei der Vollkaskoversicherung ist in der Regel eine Schadenübernahme im Fall von grober Fahrlässigkeit prinzipiell ausgeschlossen. Dennoch gibt es Vollkaskoversicherungen, die unter bestimmten Bedingungen auch grob fahrlässig verursachte Schäden bezahlen.

Um die persönlich optimale und günstigste Kfz-Versicherung zu finden, sollten das Kleingedruckte in den Versicherungsbedingungen gelesen und detaillierte Vergleiche gemacht werden. Die Servicequalität – etwa wie schnell ein Schadensfall abgewickelt wird – sollte dabei ebenfalls nicht ausser Acht gelassen werden.
schwere Dieselfahrzeuge, Lkw und Busse über 3,5 Tonnen eine Umweltplakette.

Weitere Länder

In anderen Ländern Europas wird die freie Zufahrt in Umweltzonen anders gehandhabt. In London beispielsweise muss das Fahrzeug in der nationalen Datenbank entsprechend registriert sein. Im Ausland zugelassene Kraftfahrzeuge müssen separat registriert werden. Schweizer Lenker, die eine Fahrt ins Ausland und eventuell in eine Umweltzone planen, sollten sich rechtzeitig über die jeweiligen Regelungen informieren.