Bundesliga Fernsehen
Zürich, 07.07.2017

Swisscom-Kunden konnten in der Vergangenheit fest damit rechnen, Live-Übertragungen von grossen Sportveranstaltungen sehen zu können. Völlig überraschend hat sich jetzt UPC MySports die exklusiven Übertragungsrecht gesichert. Welche Möglichkeiten haben Swisscom-Kunden jetzt, um zum Beispiel die Bundesliga-Spiele sehen zu können?

Der grösste Schweizer Kabelnetz-Betreiber UPC hat heute kommuniziert, dass er sich die Rechte für die Übertragung der meisten Bundesligaspiele gesichert hat. Konkret bedeutet dies: Bereits ab der kommenden Bundesliga-Saison, die am 18. August 2017 beginnt, können UPC-Kunden fast alle Bundesligaspiele im TV anschauen.

Pro Saison wird UPC auf MySports 266 Spiele der ersten Bundesliga und alle 306 Spiele der zweiten Bundesliga live ausstrahlen. Alle Spiele werden mit dem «MySports Pro»-Angebot zu sehen sein. Die Konditionen dieses neuen Pay-TV-Angebots sind bisher nicht bekannt. UPC informierte allerdings, dass alle UPC-Kunden «einzelne Spiele» auf dem Free-TV-Sender von MySports mit «MySports HD» ohne zusätzliche Kosten sehen können werden. Der Kabelnetz-Betreiber wird bereits nächste Woche genauer informieren.

Die neuen MySports-Sender werden neben UPC auch in vielen Kabelnetzen zu sehen sein. Bekannt ist bereits, dass zum Beispiel Kunden von Quickline, der GGA Maur und Sasag das gesamte Mysports-Angebot werden empfangen können.

Fazit von Telecom-Experte Ralf Beyeler: Eigentlich ist diese News unvorstellbar. Das ist ein Super-Coup für die UPC! Und das Superfiasko für Swisscom und Teleclub!

Während Jahren setzten Swisscom und ihre Tochtergesellschaft Teleclub auf exklusive Sportrechte. Einzig über Swisscom-TV konnten Kunden einzelne Spiele gegen Bezahlung schauen.

Wer hingegen Kunde bei einem Kabelnetz-Betreiber wie UPC oder Quickline war, durfte lediglich ein paar wenige ausgewählte Spiele mitverfolgen. Der Konsument musste dafür ein Paket kaufen, dass im Monat mindestens 50 Franken gekostet hat. Er bezahlte also mehr als Swisscom-Kunden und erhielt wesentlich weniger Leistung.

Kampf zwischen Swisscom und UPC

Der Kampf Swisscom gegen UPC geht dabei in die nächste Runde. Bereits vor einem Jahr hat UPC die Swisscom geschockt: Alle Eishockey-Spiele der Schweizer National League strahlt UPC ab dem Herbst 2017 auf dem neuen Sender MySports aus. Die Bundesliga-Fussballspiele sind der nächste Coup. Ausserdem hat UPC bereits angekündigt, auf MySports auch Formel-E-Rennen, Beachvolleyball, Basketball und Handball auszustrahlen.

In der Branche merkt man, dass Swisscom sehr nervös ist. Ein Zeichen dafür ist auch der neue Free-TV-Sender «Teleclub Zoom», der bereits in zwei Wochen starten wird. Man weiss allerdings bisher nicht mehr, als dass einige Sportübertragungen auf «Teleclub Zoom» laufen werden und dass Swisscom-TV-Kunden diesen Sender empfangen werden können.

Bruch zwischen Teleclub und Sky 

Interessant ist der Bruch zwischen Teleclub und Sky. Der Sky-Vorgänger Premiere ist aus Teleclub entstanden. Während rund 25 Jahren waren die Beziehungen zwischen Teleclub und Sky (bzw. Premiere) sehr eng. Dass Sky Deutschland jetzt die sehr intensive Partnerschaft mit Teleclub beendet und stattdessen mit dem Intimfeind von Swisscom/Teleclub zusammenspannt, ist ein Schlag ins Gesicht. Dies kommt sehr überraschend.

Was heisst das nun für den Kunden? Leider nichts Gutes. Wie es aussieht, werden sich UPC und Swisscom nicht einigen können. Damit müssen Kunden, die zum Beispiel sowohl Schweizer Fussball wie auch die Bundesliga schauen wollen, je ein Abo bei UPC und Swisscom abschliessen. Oder die Fans finden kreative Lösungen und schauen die Spiele bei Kollegen.

Ein Trostpflaster bleibt den Bundesliga-Fans, die Kunde bei Swisscom sind: Immerhin 40 der 306 Bundesliga-Spiele werden weiterhin über Eurosport und Teleclub zu sehen sein.

Ralf Beyeler, Telecom-Experte vom Konsumenten-Portal Verivox

Weitere Informationen