Mann bezahlt mit smartphone mobil payment
Zürich, 27.04.2017

Neu können auch Schweizer mit Samsung Pay bezahlen. Das Konsumenten-Portal Verivox hat das neue Bezahlsystem unter die Lupe genommen. Natürlich darf ein Vergleich mit Apple Pay und Twint nicht fehlen.

Ab dem 23. Mai 2017 können Schweizer mit Samsung Pay bezahlen. Das Prinzip ist einfach: Das Smartphone ans Zahlungsterminal halten und schon ist der Einkauf kontaktlos bezahlt.

«Samsung Pay funktioniert so einfach wie Apple Pay. Es ist gut, dass jetzt auch für Samsung-Kunden ein einfaches Zahlungsmittel zur Verfügung steht», erklärt Telecom-Experte Ralf Beyeler vom Konsumenten-Portal Verivox.

Die Unterschiede zwischen Apple Pay und Samsung Pay sind gering: Bei Apple Pay kann man das Gerät einfach hinhalten, bei Samsung Pay müssen die Nutzer zuerst über das Display wischen. Mit Samsung-Geräten konnten Konsumenten bislang nur die Apps von Twint oder die Postfinance App nutzen. Doch Samsung Pay ist wesentlich komfortabler in der Bedienung.

Grosser Nachteil: Fast niemand kann Samsung Pay nutzen 

Genau wie bei Apple Pay werden zu Beginn lediglich Kreditkarten der Herausgeber Cornercard, Bonus Card und Swiss Bankers unterstützt. Damit hat Samsung Pay das gleiche Problem wie die Konkurrenz. Egal ob die Kreditkarte von der UBS, der Credit Suisse, der Raiffeisen, der Kantonalbank oder von der Postfinance kommt: Mit den bankeigenen Kreditkarten können weder Samsung Pay noch Apple Pay benutzt werden. Auch die Karten der Swisscard fehlen. Einige wenige Kreditkarten von Swisscard unterstützen Apple Pay.

«Der grosse Nachteil von Apple Pay und Samsung Pay: Die meisten Kunden können diese bequemen Zahlungsarten gar nicht nutzen», sagt Ralf Beyeler von Verivox. «Der Anreiz zu einem Kreditkarten-Anbieter zu wechseln, der Apple Pay bzw. Samsung Pay unterstützt, ist für die meisten Schweizer zu gering», erklärt Beyeler weiter.

Ein weiterer Nachteil ist, dass Samsung Pay nur mit einigen ausgewählten Smartphones funktioniert und nicht mit allen Geräten mit NFC-Funktion. Unterstützt wird die Galaxy S-Reihe ab dem Modell S6, ausserdem zum Beispiel das Galaxy A3 bzw. A5.

Die Schweizer Banken setzen auf ihre gemeinsame Bezahl-App Twint. Seit einigen Wochen ist die neue neutrale Twint-App verfügbar, seit einer Woche auch die Twint-Apps der UBS und der Zürcher Kantonalbank ZKB.

«Es ist sehr schade, dass die Banken den Kunden nicht die freie Wahl lassen», sagt Ralf Beyeler von Verivox. «Im Gegensatz zum iPhone ist die NFC-Schnittstelle bei Samsung-Geräten offen und Samsung verlangt auch keine Transaktionsgebühren. Es gäbe also keinen Grund für den Boykott von Samsung Pay durch die Schweizer Banken», erklärt Beyeler weiter.

Erwähnenswert ist, dass Samsung Pay weltweit eingesetzt werden kann. Selbst an Terminals ohne Kontaktlos-Funktion, da das Gerät den Magnetstreifen imitieren und so die Zahlung auslösen kann.

Verivox hat die Eigenschaften der wichtigsten «Bezahlen mit dem Smartphone»-Apps hier zusammengefasst.

Tabelle: Mobile Payment in der Schweiz

 

Apple Pay

Samsung Pay

Twint

unterstützte Smartphones

iPhone (ab iPhone 6)

Samsung Smartphones ab Galaxy S6 und einige weitere Geräte

iPhone, Android

Beschreibung

-Kreditkarte wird im iPhone verknüpft

-Bezahlen an allen Kontaktlos-Kassen

-Kreditkarte wird im Smartphone verknüpft 

-Bezahlen an allen Kontaktlos-Kassen

-zum Zahlen an vielen Schweizer Kassen  

-kann mit Kreditkarte oder Bankverbindung verknüpft werden1

-Gutschein-Guthaben kann hinterlegt werden2

Vorteile

-funktioniert weltweit 

-einfach zu registrieren und bedienen

-funktioniert weltweit 

-einfach zu registrieren und zu bedienen 

-Kunden- und Rabattkarten können hinterlegt werden

-Kunden- und Rabattkarten können hinterlegt werden 

-Geld an Freunde schicken/empfangen

Nachteile

-nur wenige Schweizer Kreditkarten können benutzt werden 

-nur für iPhone

-nur wenige Schweizer Kreditkarten können benutzt werden 

-nur für Samsung-Smartphones

-funktioniert nur in der Schweiz 

-Technische Probleme seit der Umstellung von Paymit auf die neue Twint-App

Fazit

Einfaches, weltweit einsetzbares System. Apple Pay wird einen grossen Teil des Mobile Payment-Marktes erobern.

Einfaches, weltweit einsetzbares System. Gleichwertige Alternative für Kunden, die Apple nicht mögen. Hat grosse Chancen.

 

Banken setzen auf Twint als gemeinsame Branchenlösung. Dennoch: Als nationales System wird sich Twint nicht durchsetzen.

 

 

Migros-App

Postfinance-App
(Digitale Postfinance Card)

unterstützte Smartphones

iPhone, Android

Android

Beschreibung

-zum Zahlen an Migros-Kassen (Läden, Restaurants etc.) 

-kann mit Kreditkarte verknüpft werden

-Migros-Gutscheingut kann hinterlegt werden

-zum Zahlen an fast allen Schweizer Kassen

-Direktbelastung auf dem Postkonto

Vorteile

-keine Kreditkarte nötig

-Mit Migros-Gutscheinen: Es kann nur für vorher einbezahlten Betrag eingekauft werden

-keine Kreditkarte nötig

Nachteile

-umständliche Registrierung

-umständlicher Zahlungsvorgang

-nur in Migros-Filialen

-funktioniert nur in der Schweiz

-umständliche Registrierung

-nur Android-Geräte

Fazit

Wird eine Nischen-anwendung bleiben. App ist noch zu wenig kundenfreundlich.

Eine interessante Alternative für Postfinance-Kunden, die nicht mit der konventionellen Karte zahlen wollen.

1Die Twint-App der Banken belastet das Bankkonto direkt beim Zahlungsvorgang.

2Die neutrale Twint-App («Twint: andere Banken & Prepaid») funktioniert über ein Prepaid-Portemonnaie. Guthaben ist zum Beispiel in Coop-Filialen erhältlich oder kann auf die Twint-App überwiesen werden.

In der Tabelle wurden die vier bedeutendsten in der Schweiz universal einsetzbaren Systeme berücksichtigt. Ausserdem wurde mit der Migros-App die App der Handelsgruppe mit dem grössten Umsatz in der Schweiz analysiert. Auch andere Händler wie Coop oder Manor bieten Apps an, mit denen man in den jeweiligen Geschäften zahlen kann.

Ralf Beyeler, Telecom-Experte beim Konsumenten-Portal Verivox

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