Leere Tankanzeige an der Amatur
Zürich, 29.11.2016

Gut informiert Treibstoff sparen

Unter „Benzinverbrauch“ ist im Allgemeinen die Menge an Kraftstoff (meist Benzin oder Diesel) gemeint, die für das Zurücklegen einer bestimmten Strecke verbraucht wird. Bei Autos wird in Europa üblicherweise der Durchschnittsverbrauch beim Zurücklegen von 100 Kilometern verglichen. Heute, in Zeiten hoher Treibstoffpreise, ist der Benzinverbrauch für Autofahrer so wichtig wie noch nie. Wichtig sind auch Informationen darüber, wie Treibstoff gespart werden kann.

Verbrauchsangaben sind nur Orientierungshilfe

Schon im Vorfeld eines Autokaufs haben die Verbrauchsangaben der Hersteller meist Priorität. Der Benzinverbrauch ist ein wichtiges Kriterium, um die zahlreichen Autotypen und Modelle miteinander zu vergleichen. Aber diese Herstellerangaben beziehungsweise die angegebenen Verbrauchswerte stellen nur eine Orientierungshilfe dar. Denn wie viel Kraftstoff ein Auto tatsächlich verbraucht, ist nur zum Teil von der Konstruktion abhängig. Andere Faktoren – etwa die Temperatur, das Wetter und die Fahrbahnoberfläche – können nicht beeinflusst werden. Die Angaben der Hersteller lassen solche Faktoren ausser Acht und beziehen sich nur auf die jeweiligen Spezifikationen der Konstruktion. Sie ergeben sich aus standardisierten Verbrauchstests, wie etwa dem Neuen Europäischer Fahrzyklus (NEFZ).

NEFZ – Neuer Europäischer Fahrzyklus

Der NEFZ ist eine vom Gesetzgeber vorgeschriebene Methode, mit der der Treibstoffverbrauch eines Autos ermittelt wird. Dabei wird in einem Fahrlabor beziehungsweise auf einem Rollenprüfstand ein vorgängig exakt definierter Fahrzyklus simultan nachgefahren. TÜV-Gutachter sorgen für die Ordnungsmässigkeit der Tests. Sie überwachen die jeweilige Verbrauchsmessung und nehmen sie auch ab. Die Rahmenbedingungen sind dabei detailliert vorgegeben und für sämtliche Hersteller identisch. So werden zum Beispiel die Umgebungstemperatur, die Zuladung, die Schaltpunkte und auch der Beginn der Abgasmessung festgelegt. Ausserdem ist grundsätzlich ein Kaltstart des Motors vorgesehen und der Test wird mit ausgeschalteten Energieverbrauchern (Klimaanlage, Abblendlicht, etc.) durchgeführt.

WLTP: Neues Standardverfahren ab 2017

In einigen Jahren soll der NEFZ durch ein anderes Standardverfahren abgelöst werden, das realitätsnähere Ergebnisse bringen soll. Beim WLTP (World Harmonized Light Duty Vehicles Test Procedure) sollen die Autos mit anderen, realitätsnäheren Testvorgaben geprüft werden – zum Beispiel mit 23 Grad Temperatur in der Testanlage anstatt mit 30 wie beim NEFZ. Tatsache ist aber, dass kein Test die Realität simulieren kann – jede Fahrt und jeder Fahrertyp sind einzigartig und der Verbrauch variiert daher. Selbst Hersteller wie Volkswagen weisen darauf hin, dass kein genormter Fahrzyklus dem jeweiligen Autofahrer exakte Informationen in Bezug auf seinen individuellen Benzinverbrauch geben kann.

Benzinverbrauch gekonnt senken

Die Art der jeweiligen Fahrzeugnutzung und der persönliche Fahrstil beeinflussen den Benzinverbrauch wesentlich. Daher kann bewusstes Fahren den Benzinverbrauch entscheidend verringern. Wer die richtigen Tricks und Kniffe kennt, kann zu einem echten Spritsparprofi werden.

Geringes Gewicht – weniger Benzinverbrauch

Das Gewicht, und damit auch der Benzinverbrauch, kann von jedem Autofahrer beeinflusst werden. Der Benzinverbrauch eines Mittelklassewagens erhöht sich nämlich um rund 0,7 Liter pro 100 Kilometer, wenn eine zusätzliche Last von ca. 100 Kilogramm im Wagen transportiert wird. Schwere Ladung, wie zum Beispiel Getränkeharasse, sollte also nur so lange wie nötig im Auto bleiben.

Optimierung des Rollwiderstands

Besonders bei geringen Geschwindigkeiten bestimmt der Rollwiderstand massgeblich den Benzinverbrauch. Dieser kann durch das Nutzen von Energiesparreifen um bis zu fünf Prozent reduziert werden. Der tatsächliche Einfluss eines Reifens auf den Benzinverbrauch ist abhängig von der Reifenbreite, vom Reifendurchmesser, vom Reifenprofil und der verwendeten Gummimischung. Laut einer Studie der Volkswagen AG haben zum Beispiel 225-mm-Reifen einen Rollwiderstand, der um rund sechs Prozent höher ist als bei 185-mm-Reifen.

Reifendruck beachten

Reifen, die gemäss der zugelassenen Höchstgrenze befüllt werden, sorgen für eine Senkung des Benzinverbrauchs von ca. fünf Prozent. In der Regel ist dies der für volle Beladung empfohlene Reifendruck. Die entsprechenden Angaben sind auf einer Etikette zu finden, die üblicherweise an der Innenseite des Tankdeckels angebracht ist. Mindestens alle drei bis spätestens vier Wochen sollten Autofahrer den Reifendruck prüfen. Wichtig ist dabei, dass der Prüfvorgang an noch kalten Reifen erfolgt.

Luftwiderstand berücksichtigen

Bei hohen Geschwindigkeiten ist der Luftwiderstand entscheidend für den Verbrauch. 80 Stundenkilometer Geschwindigkeit gelten als Grenzzone. Ab dann steigen der Luftwiderstand und damit der Treibstoffverbrauch spürbar. Jenseits der 100-Stundenkilometer-Marke steigt der Verbrauch dann überproportional mit zunehmender Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit.

Unnötige Kurzfahrten vermeiden

Unnötige Kurzfahrten sollten vermieden werden, wenn der Verbrauch niedrig bleiben soll. Der Wirkungsgrad des Motors erhöht sich nämlich erst dann, wenn der Motor auf Touren gekommen beziehungsweise warm gelaufen ist. Das Fahren mit einem kalten Motor verursacht hingegen innerhalb der ersten Kilometer eine deutliche Steigerung des Benzinverbrauchs. Die Erhöhung kann dabei bis zu 30 Liter pro 100 Kilometer betragen. Automotoren, die beim Fahren noch kalt sind, erhöhen den Verbrauch für jeden fehlenden Temperaturgrad um rund 0,2 Prozent. Aber: Durch die Nutzung von Leichtlauföl ergeben sich auf kurzen Strecken oftmals auch Spareffekte.

Regelmässige Inspektionen und Motorkontrollen

Eine gute Wartung sorgt dafür, dass der Motor stets optimal eingestellt ist. Dies wiederum hält den Treibstoffverbrauch auf tiefem Niveau. Bei Inspektionen beziehungsweise Wartungen sollte zudem darauf geachtet werden, dass ein Leichtlauföl verwendet wird. Leichtlauföle können den Benzinverbrauch senken. Der Grund: Sie reduzieren den Reibungswiderstand im Motor. Dies wirkt sich insbesondere beim Kaltstart positiv aus, da sich Öle dieser Art besser und auch schneller verteilen als konventionelle Öle.

Energiesparend fahren

In jedem Fall ratsam ist eine überlegte Fahrweise. Der Energieverbrauch kann durch intelligentes Fahren um bis zu 30 Prozent reduziert werden. Es ist zum Beispiel wichtig, frühzeitig in einen höheren Gang zu schalten. Als Faustregel gilt: Spätestens ab rund 2‘000 Umdrehungen pro Minute sollte ein höherer Gang gewählt werden. Trotzdem empfiehlt sich zwischen den Schaltvorgängen grosszügiges Beschleunigen; etwa 90 Prozent Vollgas sind durchaus angebracht. Ebenso entscheidend für einen reduzierten Kraftstoffverbrauch ist vorausschauendes Fahrverhalten. Dadurch werden unnötige und energieraubende Brems- und Beschleunigungsaktionen vermieden.

Sinnvoll verzichten

Der Motor sollte abgestellt werden, wenn die Wartezeit vor einer Schranke, einer Ampel oder in einem Stau länger als 30 Sekunden beträgt. Auf diese Weise kann der Energieverbrauch reduziert werden. Der Verzicht auf die Klimaanlage bringt ebenfalls eine Reduktion mit sich - eine Einsparung von bis zu 0,6 Litern pro 100 Kilometer ist möglich. Immerhin bis zu 0,6 Liter pro 100 Kilometer kann der Verbrauch gesenkt werden, wenn bei guter Sicht auf das Abblendlicht verzichtet wird.