Schwester gibt Patientin ihre Mahlzeit
Zürich, 21.08.2017

Das Kran­ken­ver­si­che­rungs­ge­setz der Schweiz

Seit dem Jahr 1996 gilt das Krankenversicherungsgesetz (KVG). Es löst das Kranken- und Unfallversicherungsgesetz (KUVG) von 1911 ab. Das Gesetz sichert jedem Einwohner der Schweiz eine obligatorische Krankenpflegeversicherung zu. Die Leistungen dieser Grundversicherung sind für alle Versicherten gleich, können aber über private Zusatzversicherungen im ambulanten und stationären Bereich aufgestockt werden. Anders als bei der alten Regelung darf das Alter der Versicherungsnehmenden keinen Einfluss mehr auf die Höhe der Beiträge in der Grundversicherung haben. Die Altersgruppen in der Schweiz unterteilen sich in:

  • Kinder (bis vollendetes 18. Lebensjahr)
  • junge Erwachsene (19. bis vollendetes 25. Lebensjahr)
  • Erwachsene (ab dem 25. Lebensjahr)

Grundsätzlich gelten Kopfprämien. Wie im alten Gesetz dürfen bei der Grundversicherung individuelle Krankheitsrisiken nicht berücksichtigt werden. Gleichzeitig soll das Krankenversicherungsgesetz den Wettbewerb zwischen den Versicherern stärken.

Die­se Ver­bes­se­run­gen schafft das Kran­ken­ver­si­che­rungs­ge­setz

Vor den Reformen im Gesundheitswesen bestimmte das Eintrittsalter der Versicherungsnehmenden die Höhe der Prämie. Die Versicherer erheben leicht erhöhte Prämien, um Rückstellungen für das Alter und das somit steigende Krankheitsrisiko zu bilden. Sie haben die Möglichkeit, Vorbehalte aufgrund bestimmter Vorerkrankungen anzubringen und Antragsteller ab einem gewissen Lebensalter gar nicht mehr aufzunehmen. Die alte Gesetzgebung fesselt ältere Mitglieder an ihre Versicherungen. Ein Wechsel der Versicherung ist kaum möglich, da die Altersrückstellungen beim alten Versicherer bleiben. Hohe Beiträge und Vorbehalte verhindern den Wechsel und den Wettbewerb. Diese Probleme löst das Krankenversicherungsgesetz.

Die Franchise und die Eigenbeteiligung

Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) sieht eine Eigenbeteiligung der Versicherungsnehmenden vor. Erwachsene sind verpflichtet, eine Franchise von mindestens 300 CHF jährlich zu leisten. Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr darf auf eine Franchise verzichtet werden. Nach Abzug der Franchise sieht das KVG weiterhin eine Eigenbeteiligung der Versicherungsnehmenden in Höhe von 10 Prozent vor. Der Selbstbehalt beträgt für Erwachsene maximal 700 Franken (Kinder und Jugendliche 350 Franken) jährlich. Seit 2006 erhöht sich der Selbstbehalt für pharmazeutische Originalpräparate auf 20 Prozent, wenn ersatzweise auch Generika erhältlich sind. Leistungen bei Mutterschaft ab der 13. Schwangerschaftswoche bis zu 8 Wochen nach der Geburt sind vom Selbstbehalt ausgenommen. Das trifft auch auf bestimmte präventive Massnahmen zu.

Alternative Versicherungsmodelle sparen Prämien

Das Krankenversicherungsgesetz lässt in der Grundversicherung alternative Versicherungsmodelle zu, die sich positiv auf die Höhe der Beiträge auswirken. Folgende Modelle stehen zur Wahl:

  • Hausarztmodell: Die Versicherungsnehmenden müssen, ausser in akuten Notfällen, immer zuerst ihren Hausarzt aufsuchen. Der Hausarzt übernimmt die Behandlung und koordiniert bei Bedarf die Weiterleitung an Fachärzte oder Spitäler.
  • HMO-Modell: Patienten müssen zuerst ein festgelegtes Gesundheitszentrum aufsuchen, in dem Haus- und Fachärzte praktizieren.
  • Telmed: Vor dem Arztbesuch müssen sich die Versicherungsnehmenden telefonisch an ein Beratungszentrum wenden. Die qualifizierten Mitarbeiter beraten ausführlich und leiten den Patienten bei Bedarf an Fachärzte oder Spitäler weiter.

Staatliche Zuschüsse für Geringverdiener (Prämienverbilligung)

Die Kopfprämien der Krankenversicherung belasten besonders Menschen mit geringem Einkommen sowie kinderreiche Familien. Ihnen wird, meistens auf Antrag, eine Prämienverbilligung gewährt. Das genaue Prozedere und die Höhe der staatlichen Zuschüsse sind kantonal geregelt. Weitere Informationen erteilen die eigene Krankenversicherung, die kantonale Ausgleichskasse sowie die sozialen Dienste. Die Prämienverbilligung wird aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse des Vorjahres gewährt. In die Berechnung fliessen das Vermögen, die Höhe des Einkommens und die Zahl der Kinder ein. Ausschlaggebend ist die Steuererklärung. Wird der Antrag bewilligt, erhält der Versicherungsnehmende den Zuschuss auf sein Konto ausbezahlt. Experten schätzen, dass etwa ein Drittel aller Versicherten in der Schweiz einen Anspruch auf einen Zuschuss zur Krankenversicherungsprämie haben.

Zusatzversicherungen sind empfehlenswert

Die Grundversorgung nach dem KVG weist einige Versorgungslücken auf. Insbesondere im Bereich der Zahnheilkunde sind private Zusatzversicherungen unverzichtbar. Die Grundversicherung kommt nur in Ausnahmefällen für Zahnbehandlungen auf. Auch die Kosten für Brillen oder naturheilkundliche Verfahren tragen die Versicherungsnehmenden ohne private Zusatzversicherung selbst.

Die Krankenversicherung wechseln

Das Krankenversicherungsgesetz ermöglicht jedem Versicherungsnehmenden, den Anbieter der Grundversicherung jährlich zu wechseln. Die Kündigung ist jeweils auf den 31. Dezember möglich. Sie muss dazu bis zum 30. November bei der Versicherungsgesellschaft eingehen. Ist der letzte Tag im November kein Arbeitstag, gilt der letzte Arbeitstag des Monats als Stichtag. Versicherungsnehmende mit einer Standard-Grundversicherung und einer Franchise von 300 Franken (Kinder 0 Franken) können den Anbieter zusätzlich per 1. Juli wechseln. Die Kündigung muss dann bis zum 31. März beziehungsweise am letzten Arbeitstag des Monats beim bisherigen Versicherer eingehen. Siehe auch den Ratgeber zum Thema Krankenkassenwechsel im Sommer.

Für private Zusatzversicherungen gelten abweichende Fristen. Siehe Kündigungsfristen für die Zusatzversicherungen.