Die überwiegende Mehrheit der Schweizer Versicherten hat, zusätzlich zur Grundversicherung, mindestens eine Zusatzversicherung, die den Grundschutz mit zusätzlichen Leistungen ergänzt. Sie decken Leistungen ab, die in der Grundversicherung nicht enthalten sind und daher ohne Zusatzversicherung von der versicherten Person selbst bezahlt werden müssten. Sie können – im Unterschied zur obligatorischen Krankenpflegeversicherung – freiwillig abgeschlossen werden. Während die Leistungen der Grundversicherung bei allen Krankenkassen gleich sind, bieten die Zusatzversicherungen sehr unterschiedliche Leistungen an. Nur durch einen genauen Vergleich von Leistungen und Prämien lässt sich die persönlich optimale Zusatzversicherung finden.

Kein Aufnahmezwang, individuelle Prämien

In der Grundversicherung dürfen Krankenkassen niemanden ablehnen. Für die Zusatzversicherungen gilt dieser Aufnahmezwang nicht. Ablehnungen erfolgen häufig aufgrund des Gesundheitszustands oder des fortgeschrittenen Alters. Zudem können die Krankenkassen die Prämien frei bestimmen – nicht nur nach Prämienregion, sondern auch pro Versicherungsnehmer. Kriterien wie Geschlecht, Alter oder Lebensstil fliessen in die Prämienberechnung ein. Ausserdem haben die Krankenkassen das Recht, Vorbehalte zu äussern, etwa aufgrund des Gesundheitszustands der zu versichernden Person.

Einzelne Zusatzversicherungen oder Pakete

Zusatzversicherungen werden in der Regel für einzelne Leistungsbereiche, z. B. Zahnbehandlungen, angeboten oder für verschiedene Leistungen im Paket. Prinzipiell gilt, dass nur für jene Bereiche eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden sollte, die tatsächlich benötigt werden. Beispiel: Personen, die nicht verreisen, brauchen keine zusätzliche Reiseversicherung. Dagegen können Personen, die häufig in die USA sowie nach Kanada, Australien oder Japan reisen, von einer entsprechenden Zusatzversicherung profitieren. Die Behandlungskosten für Unfälle oder Krankheiten sind in diesen Ländern besonders hoch und nicht vollständig von der Grundversicherung gedeckt.

Paketangebote sind meist relativ günstig. Die Leistungen sind aber üblicherweise auf einen Maximalbetrag pro Jahr beschränkt. Es empfiehlt sich daher eine genaue Prüfung der Paketleistungen – und zwar auch darauf, ob die gewünschten Methoden und Therapien abgedeckt sind. Um doppelte Kosten zu vermeiden, sollte auch kontrolliert werden, ob diese Leistungen nicht bereits durch die Grundversicherung oder im Fall von Reiseversicherungen durch die Kreditkartenversicherung abgedeckt sind. Nicht zuletzt spielen auch die angebotenen Versicherungsbedingungen und die Servicequalität – etwa wie schnell Vergütungen erfolgen - eine grosse Rolle. Vor dem Abschluss einer Versicherung sollte möglichst genau abgeschätzt werden, wie hoch der Bedarf an einer Zusatzversicherung ist. Ein genauer Vergleich verschiedener Angebote zahlt sich in jedem Fall aus.

Zusatzversicherungen für Kinder

Zusatzversicherungen für Kinder sollten am besten noch vor der Geburt abgeschlossen werden. Zu diesem Zeitpunkt garantieren die Krankenkassen meist die bedingungslose Aufnahme in die Versicherung. Auch die zahnärztliche Behandlung von Kindern sollte frühzeitig zusatzversichert werden. Denn ab einem bestimmten Alter verlangen die Krankenkassen eine vorgängige zahnärztliche Untersuchung.

Zwei Arten von Zusatzversicherungen

Die aktuell angebotenen Zusatzversicherungen lassen sich in zwei Bereiche einteilen: in ambulante Zusatzversicherungen und in Spitalversicherungen

Ambulante Zusatzversicherungen

Mit ambulanten Zusatzversicherungen (Einzel- oder Paketversicherungen) kann die Grundversicherung nach individuellen Bedürfnissen ergänzt werden. Verschiedenste Versicherungen für die Gesundheitserhaltung und -pflege werden angeboten, wie zum Beispiel Zusatzversicherungen für Brillen und Kontaktlinsen, für Zahnbehandlungen, für Hauskrankenpflege und Haushaltshilfen, für alternativmedizinische Behandlungen, für Psychotherapien oder für Massnahmen der Gesundheitsvorsorge. Vor dem Abschluss einer Versicherung sollten jedoch die mutmasslichen Kosten gegen die Prämiensummen abgewogen und entschieden werden, ob sich die Versicherung auch lohnt.

Spitalzusatzversicherungen

Spitalzusatzversicherungen dienen dazu, die Kosten von Spitalaufenthalten zu versichern. Von den Versicherungen werden verschiedene Modelle angeboten:

Allgemeine Abteilung ganze Schweiz: Damit können sich Versicherte in der allgemeinen Abteilung von Spitälern auch ausserhalb ihres Wohnkantons behandeln lassen.

Halbprivat ganze Schweiz: Damit erfolgt die Unterbringung in einem Zweibettzimmer in einem Spital freier Wahl.

Privat ganze Schweiz: Mit dieser Versicherung hat die versicherte Person Anspruch auf die Unterbringung in einem Einbettzimmer in einem Spital freier Wahl.

Flexmodell: Dieses Modell garantiert dem Versicherten die freie Wahl der Spitalabteilung. Der Versicherte kann kurz vor Spitaleintritt entscheiden, auf welcher Abteilung die Behandlung erfolgen soll. Für Kurzaufenthalte reicht vielleicht die allgemeine Abteilung, bei grösseren Eingriffen könnte ein Privatzimmer von Vorteil sein. Flexmodelle sind in der Regel günstiger. Allerdings ist für private oder halbprivate Leistungen üblicherweise ein Selbstbehalt zu bezahlen.

Sparmöglichkeiten bei Zusatzversicherungen

Sparen können Versicherte bei Zusatzversicherungen zum Beispiel durch die Erhöhung des Selbstbehalts. Zudem haben viele Krankenkassen ein Bonus-Malus-System: Je länger keine Leistungen in Anspruch genommen werden, desto tiefer sinkt die Prämie. Darüber hinaus gibt es bei etlichen Versicherungen Rabatte für Familien. Manche Versicherungen bieten zudem Rabatte für Mehrjahresverträge. Die Prämienreduktionen sind dabei in der Regel nicht sehr hoch. Es gilt daher abzuwägen, ob die Kosteneinsparung die längere Bindung rechtfertigt. Minimale Einsparungen lassen sich ausserdem durch die jährliche oder halbjährliche anstatt monatliche Bezahlung der Prämien erreichen.

Versicherungsbedingungen vergleichen

Leistungsumfang, Prämien und Versicherungsbedingungen, etwa die Zeiträume für die Rechnungsvergütung, sollten vor Abschluss einer Zusatzversicherung sehr genau geprüft werden. Auch die Kündigungsfristen unterscheiden sich je nach Krankenkasse. Bevor eine Zusatzversicherung gekündet wird, sollte die Aufnahme in eine neue Versicherung auf jeden Fall abgeklärt werden. So können Versicherte verhindern, im Fall einer Ablehnung ohne (Zusatz)Versicherung dazustehen.